Deutsche Patientendaten- und -akten- Selbstbestimmungscharta (DPASC) Wertschöpfungspotenzial der DIGA (digitale Gesundheitsanwendungen) DIGA-Kosten können allerdings dann gering sein, wenn die DIGA-/App-Anbieter mit den individuellen Patientendaten „arbeiten“ können. Um mit den individuellen Patientendaten arbeiten zu können, müssen diese via Cloud-Computing analytisch durch Cloud-Server (Speicher- und Rechen-Computer, die an das Internet angeschlossen sind) hindurchlaufen. Und wenn der DIGA-/App-Anbieter mit individuellen Patientendaten arbeitet, dann gehen die individuellen Patientendaten generell nicht nur in den Besitz, sondern in das Eigentum des DIGA-/App-Anbieter über. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom goldenen Patientendatenschatz, den es zu heben gilt. Geringe DIGA-Kosten für Krankenkassen und Kostentäger sind in der Regel dann der Fall, wenn der App-Nutzer (also der Patient) selbst für die App bezahlen muss. Eine solche „Zuzahlung“ bzw. „Eigenbeteiligung“ ist auch im DVG vorgesehen, wenn die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden oder wenn die App erst einmal keine „Kassenzulassung“ erhält. In Fall der finanziellen Patientenbeteiligung an der App entsteht eine neue vertragliche Konstellation zwischen Patient und DIGA-/App-Anbieter, bei der die Krankenkasse (und die Leistungsanbieter) nur noch beobachtend am Rande stehen. Es liegt auf der Hand, dass dann der DIGA-/App-Anbieter dem Patienten unterschiedliche „Bezahlfunktionen“ für den App-Service anbietet. Eine Bezahlfunktion ist dann natürlich, dass die Kosten für den Patienten = 0 sind, wenn die Patientendaten in das Eigentum des DIGA-/App-Anbieter. Denn dann können die Patientendaten wie normale Daten bewirtschaftet und monetisiert werden, d.h. in weitere externe Zahlungseingänge zugunsten des DIGA-/App-Anbieters umgewandelt werden. Mit diesen externen Zahlungseingänge hat der Patient dann nichts mehr zu tun, er darf aber dann die App kostenfrei nutzen. Die Generierung externer Zahlungseingänge zugunsten des DIGA-/App-Anbieters wird realisiert, wenn die individuellen Patientendaten mit individuellen Daten aus der Konsum- und Finanzwelt des Patienten gekreuzt werden, um daraus vollständig individualisierte Personenprofile herzustellen. Diese können dann auf den (internationalen) Daten-Marktplätzen gehandelt werden. Dann würde je Person nicht mehr nur verfügbar sein, wie gut z.B. seine Zahlungsmoral bzw. Kreditwürdigkeit ist, welche Produkte er kauft, verkauft, zurückgibt und wie sein sonstiges Konsumverhalten ist. Vielmehr könnte man dann viel genauere Wahrscheinlichkeiten dem Individuum zuordnen, z.B. zu Krankheiten, Arzneimittelnutzung, Restlebensdauer, etc. Die Aktivitäten, Leistungs- und Zahlungsfähigkeiten des Patienten könnten dann sehr genau und viel langfristiger prognostiziert werden. Man würde dann nicht mehr nur vom „gläsernen Patienten“ oder vom „gläsernen Konsumenten“ sprechen, sondern vom „gläsernen Patientenkonsumenten“.
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